Burpee – Die Enstehungsgeschichte
Am Burpee kommt kaum ein Fitness-Fan vorbei. Er gilt als absoluter Klassiker im Übungsrepertoire und als unumgängliches „Must-do“ in sportlichen Kreisen rund um den Globus. Aber wo steht eigentlich die Wiege des altgedienten Fitmachers?
📌 Auf einen Blick
Bietet der Burpee das ultimative Ganzkörpertraining? Ja, diese dynamische Kombination aus Kniebeuge, Liegestütz und Strecksprung fordert Kraft, Ausdauer und Koordination gleicherzeitig wie kaum eine andere Übung. Der Artikel beleuchtet die faszinierende historische Entstehung durch den Physiologen Dr. Royal H. Burpee und die spätere Zweckentfremdung beim Militär. Wer seine eigene Fitness auf das nächste Level bringen und die perfekte Ausführung unter professioneller Anleitung erlernen möchte, findet beim schweißtreibenden Outdoor-Gruppentraining von Original Bootcamp die ideale Gelegenheit dazu.
Geliebt, gefürchtet und manchmal auch verflucht: Der Burpee ist die unangefochtene Basisübung vieler Intensiv-Zirkel. Die Kombination aus Liegestütz und Strecksprung ist ein Paradebeispiel für ganzheitliches Körpertraining. Nach nur wenigen Wiederholungen treibt er Sporttreibenden den Schweiß auf die Stirn und sorgt für kollektive Schnappatmung auf der Trainingsfläche.
Die ersten Burpees flimmerten bei vielen Menschen unbewusst auf der Kinoleinwand im Antikriegsfilm „Full Metal Jacket“ von Stanley Kubrick durchs Bild. Auf Parris Island in South Carolina muss dort ein ganzer Rekrutenzug der US-Marines unter den strengen Blicken des Ausbilders Straf-Burpees exerzieren. Dass diese dynamische Bewegungsabfolge so genannt wird, war damals jedoch den wenigsten Zuschauern bekannt.
Aber warum heißt der Burpee, wie er heißt?
Viele Trainerinnen und Trainer outen sich leidenschaftlich als Burpee-Fans, da die Übung schlichtweg hocheffektiv ist.

Eines ist vorweg klar: Kleine Bäuerchen, die nach dem Genuss kohlensäurehaltiger Getränke entstehen (englisch „to burp“), haben mit der Namensgebung absolut nichts zu tun. Wer den Burpee mit „Rülpsis“ zu übersetzen versucht, liegt komplett falsch. Zur Erklärung ist ein historischer Sprung in die 1930er- und 1940er-Jahre nötig.
Junge GIs müssen an zwei Fronten kämpfen
Der Zweite Weltkrieg weitete sich nach dem Angriff auf den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 zu einem globalen Konflikt aus. Die Vereinigten Staaten befanden sich schlagartig in einem Zweifrontenkrieg. Junge GIs mussten fortan an den Fronten in Europa und im Pazifik ihr Leben riskieren, um sich den vorrückenden Achsenmächten entgegenzustellen.
Der Ansturm von Freiwilligen auf die Rekrutierungsstellen der US-Streitkräfte war enorm. Doch hinter den Kulissen offenbarte sich schnell eine ganz andere bürokratische und sportliche Herausforderung: Die körperliche Verfassung der neuen Rekruten entsprach keineswegs den militärischen Anforderungen für den Ernstfall.
Eine untrainierte Generation soll die „Festung Europa“ stürmen?
Die U.S. Army schlug bereits vor dem offiziellen Kriegseintritt Alarm. Sie sprach von einer mangelhaft trainierten Generation von jungen Männern, denen es an der nötigen Ausdauer und Kraft für den harten Dienst an der Waffe fehle. Die zunehmende Mechanisierung und der veränderte Lebensstil in den Staaten hatten nach Ansicht der Militärs zu einer körperlichen Abschwächung der Jugend geführt. Und diese untrainierten jungen Männer sollten nun die schwer befestigte Front in Europa stürmen und im extrem fordernden Nahkampf bestehen?
Eine sportwissenschaftliche Untersuchung der University of Illinois aus dem Jahr 1940 untermauerte dieses Dilemma eindrücklich. Tausend College-Studenten mussten sich einem standardisierten Sporttest unterziehen. Das Ergebnis war ernüchternd: Fast ein Viertel der jungen Männer scheiterte am Sprung über eine hüfthohe Hürde, ein beachtlicher Teil konnte nicht einmal sicher schwimmen, und 25 Prozent schafften keine fünf Klimmzüge an der Stange. Das war definitiv zu wenig Substanz, um in den harten Einsätzen der kommenden Jahre zu bestehen.
📊 Fitnesstest 1940 – Ergebnisse von 1.000 College-Studenten
University of Illinois – Anteil der Studenten, die bei den jeweiligen Disziplinen scheiterten
Quelle: Sportwissenschaftliche Untersuchung der University of Illinois, 1940

Frischer Wind für den Kasernen-Drill
Die militärische Führung reagierte prompt. Um die Wehrfähigkeit der Truppen schnellstmöglich zu sichern, wurde ein spezielles Intensivprogramm („toughening-up program“) ins Leben gerufen. Dieses sollte die Rekruten in Rekordzeit physisch auf den anspruchsvollen Dienst vorbereiten. Ein Gremium aus namhaften Sportprofessoren überarbeitete die veralteten Ausbildungspläne der Army grundlegend. Die Experten setzten auf funktionelle, wissenschaftlich begründete Bewegungsabläufe und strichen komplizierte, ineffektive Übungen rigoros aus dem Programm.
Das „Daily Dozen“ als sportliche Wunderwaffe
Das Expertenteam schnürte ein Paket aus zwölf Basisübungen, für deren tägliche Absolvierung gerade einmal 20 Minuten veranschlagt wurden. Dieses hocheffiziente Workout sollte den Mangel an Muskelmasse und Kondition im Handumdrehen beheben. Der offizielle Leitfaden „The Army’s Daily Dozen“ wurde zur sportlichen Pflichtlektüre für jeden Soldaten.
Zum täglichen Dutzend gehörten Übungen wie der „High Jumper“, „Squat Bender“, klassische Liegestütze, Kniebeugen-Sprünge und eben auch der Burpee. Klare, rhythmische Zählweisen sorgten dafür, dass ganze Kompanien die Bewegungsabfolgen synchron und im Gleichschritt trainieren konnten. Ergänzt wurde das Ganze durch militärisches Hindernistraining, Geländeläufe mit schwerem Gepäck und Raufspiele zur Stärkung des Teamgeists.

Leistungsprüfung auf dem Prüfstand
Die neuen Vorschriften sahen vor, den Fitnessgrad der Soldaten in regelmäßigen Abständen genauestens zu überprüfen. Die Testergebnisse in den Bereichen Maximalkraft, Ausdauer und Wendigkeit lieferten messbare Daten über den körperlichen Zustand der Truppe. Um diesen Fortschritt zu dokumentieren, etablierte man ein präzises Punktesystem.
Teil dieses sportlichen Audits war der berüchtigte 20-Sekunden-Burpee-Test. Wer hier glänzen wollte, musste sich ordentlich ins Zeug legen. Die Bewertungsskala der Ausbilder war streng: Weniger als acht Wiederholungen in der vorgegebenen Zeit galten als ungenügend, während 13 oder mehr korrekt ausgeführte Durchgänge als hervorragende Leistung eingestuft wurden.
⏱️ Militärischer 20-Sekunden-Burpee-Test – Bewertungsskala
Anzahl korrekt ausgeführter Burpees in 20 Sekunden
Quelle: Training Circular No. 87, War Department Washington, 1942
Allerdings kam der Burpee der 1940er-Saison noch deutlich reduzierter daher als unsere heutige High-Intensity-Variante. Damals wurde auf den tiefen Liegestütz und den abschließenden Strecksprung verzichtet. Die klassische Version 1.0 bestand aus vier simplen Schritten: Aufrechter Stand, kontrolliertes Absinken in die tiefe Hocke mit den Händen am Boden, dynamisches Zurückspringen in die Liegestützposition, Rücksprung in die Hocke und das Aufrichten in den Stand.
🔄 Burpee im Vergleich: 1939 vs. heute
Dr. Burpee konzipierte die Übung als sanften Diagnostiktest – das Militär machte daraus ein Hochintensitäts-Workout.
Royal Burpee: Ein Visionär der Körperkultur
Der Erfinder dieses Bewegungsablaufs war Dr. Royal Huddleston Burpee, ein engagierter Physiologe aus New York City. Als leidenschaftlicher Verfechter von Breitensport und Fitness koordinierte er als Direktor die sportlichen Programme des YMCA (Young Men’s Christian Association) in der Bronx. Diese Unterkünfte boten jungen Männern damals nicht nur günstige Schlafmöglichkeiten, sondern dank moderner Turnhallen und Schwimmbäder auch Raum für körperlichen Ausgleich.
Während die damalige Forschung den Fokus fast ausschließlich auf ohnehin exzellent trainierte Spitzensportler legte, wollte Dr. Burpee im Rahmen seiner Promotion an der Columbia University ein Testverfahren für den Durchschnittsbürger entwickeln. Er suchte nach einer einfachen, schnellen Methode, um die Funktionsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems unkompliziert zu bestimmen. Das war die Geburtsstunde der weltbekannten Übung.
Dr. Burpees Testverfahren war extrem messintensiv. Er verlangte von seinen Probanden lediglich vier ruhige Wiederholungen, kontrollierte jedoch vor und nach der Durchführung akribisch den Puls. Aus der Geschwindigkeit der Herzfrequenz-Erholung errechnete er die körperliche Leistungsfähigkeit. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse veröffentlichte er im Jahr 1940 in seinem Werk „Seven Quickly Administered Tests of Physical Capacity“.
Die Zweckentfremdung einer Gesundheitsübung
Dass die US-Streitkräfte seine Methode aufgriffen und im Rahmen des harten Rekrutentrainings instrumentalisierten, stieß bei Dr. Burpee auf heftige Ablehnung. Er hatte seinen Test nie für hochintensive Belastungen konzipiert. Als das Militär nach dem Krieg das Testfenster sogar auf eine volle Minute verlängerte und über 40 Wiederholungen als Standard forderte, reagierte der Erfinder mit großem Unmut.
In der Neuauflage seines Buches im Jahr 1946 warnte er ausdrücklich davor, dass diese extreme Form der Belastungsintensität für untrainierte Herzen gefährlich sein und zudem Gelenke sowie den Rücken schädigen könne. Das strikte und massenhafte Exerzieren widersprach völlig seiner Intention, ein gesundheitsförderndes Werkzeug für den Alltag zu schaffen.
Wer nun neugierig geworden ist und die hocheffiziente Übung einmal selbst in einer hochgradig motivierenden Gruppendynamik ausprobieren möchte, kann ganz unkompliziert ein kostenloses Probetraining finden und direkt unter freier Luft an einem unserer vielen Standorte durchstarten.
Dr. Burpee verstarb 1987. Er hinterließ der Fitnesswelt ein Bewegungsmuster, das heute in modifizierter Weise globale Berühmtheit erlangt hat. Auch wenn der moderne High-Intensity-Burpee kaum noch etwas mit der sanften Diagnostik der 1930er-Years gemein hat, bleibt sein Name untrennbar mit sportlicher Höchstleistung verbunden. Ein kurioser Meilenstein wurde übrigens im Jahr 1994 aufgestellt, als der Brite Paddy Doyle einen Guinness-Weltrekord aufstellte und sage und schreibe 1.840 Burpees innerhalb einer einzigen Stunde absolvierte.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Burpees
Wer hat die Burpees erfunden und warum?
Woher kommt der Name Burpees?
Was genau ist ein Burpee und welche Muskelgruppen werden trainiert?
Warum sind Burpees so effektiv?
Welche Nachteile haben Burpees?
Warum sind Burpees bei Navy Seals so schwer?
Kann ich Burpees auch als Anfänger trainieren?
Quellen
- Seven Quickly Administered Tests of Physical Capacity – Dr. Royal Huddleston Burpee, Columbia University, 1940.
- Training Circular No. 87: Physical Training – War Department Washington, 1942.
